Ärztestreik an der Charite

Ein schöner Spaziergang in der lauen Dezemberluft. Angenehme Temperaturen. Keine Sorgen über die berufliche Zukunft. Wir alle werden nach unserem Studium genügend Angebote für lukrative Jobs bekommen. Jobs, in denen Überstunden ein Fremdwort sein wird. Falls sich jedoch unser zukünftiger Arbeitgeber doch dazu erdreisten wird, uns mit zusätzlichen Diensten zu belasten, so werden wir bestimmt mit einem angemessenen Zuschlag belohnt. Ich freue mich auf die Zeit, Porsche zu fahren und endlich Halbgott Gott in Weiß zu sein.

Für meine sehr wenigen Wochenend- und Feiertagdienste wird unsere neue Regierung garantiert auch etwas neues, tolles auf die Beine stellen, damit mein kleiner Ferienpalast auf den Seychellen seinen dritten Pool auf dem Dach bekommen kann. Ach wie schön wird die Zeit, wenn es soweit ist und ich, wie auch alle meine Kommilitonen merken, dass es sich wirklich gelohnt hat, zuerst 5 Jahre lang reine Theorie auswendig zu lernen, danach ein kurzes, aber lockeres Jahr als Pj-tler mit Traumgehalt auf der Station gemütlich die Zeit mit Kaffeetrinken zu verbringen, anschließend ein kurzes Examen.

Den Doktor bekommen wir ja bereits während des leichten Studiums geschenkt. Dann noch ganz schnell die Facharztausbildung und los geht sie, die Krankenhauskarriere. Das dicke Konto, die netten Oberärzte und der zuvorkommende Chefarzt. Es wird ein Traum. Alle sind nett zu einander. Wir werden auch keinen Grund haben, schlechte Laune zu haben. Nach den fünf Stunden Dienst am Tag werden wir als stolze und glückliche Familienväter bzw. -mütter in unsere fetten 500qm Lofts nach Hause kommen.

Unser Partner, der aufgrund unseres Gehaltes nicht arbeiten muss, präsentiert uns die neu erstandene Stereoanlage und das High-End-Flat-Encore-Mega-Black-Trinitron-250cmBilddiagonale ober Kinosystem im Badezimmer direkt über dem 10qm Whirlpool, während der Koch das drei Gänge Menü zaubert. Anschließend lassen wir uns von unserem Personal-Trainer noch zum Workout in unser eigenes Fitnessstudio über den Dächern Berlins führen, um endlich mal etwas tun zu können. Es wird uns überfordern, einmal in der Woche eine Dinner-Party mit Cocktailempfang zu geben, weil wir da soviel Alkohol werden trinken müssen. Apropos Alkohol, per se ja kein Problem für uns, warum auch - es gibt ja gar keine Probleme in unserem Leben, die wir verdrängen müssen… So wie wir arbeiten werden, werden sich andere wünschen ihren Urlaub machen zu dürfen!

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One Response to “Ärztestreik an der Charite”

  1. a gravatar 1 andre

    tja, so ist es…

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