Expedition: Hauptstadt

Noch vor zwei Tagen blickten alle amüsiert und mit Spannung erfüllt auf den eisigen Claus, der Berlin alle Härten des Kontinentalklimas bescheren sollte. Auch ich räume hiermit ein, dass ich in der ersten Nacht noch voller Vorfreude dem Temperaturfall entgegengefieberte. Nur langsam wird es echt kalt.

Heute morgen begrüßte mich mein Desktop mit -18°C für Berlin. Ok, hier oben im vierten Stock sind nur -14°C auf unserem Balkon, aber warm würde ich das nicht nennen. Nahezu ununterbrochen hört man dieses leise Geräusch aus der Küche, was mir signalisiert, dass die Gastherme hart arbeiten muss, um die 20°C innerhalb der Wohnung halten zu können. Ein kurzer Blick aus diesem Fenster hielt mir dann auch vor Augen, dass wir richtig gehandelt hatten.

Berlin erlebt den Ausnahmezustand… Bereits gestern Abend war abzusehen, dass wir einige Zeit von der Zivilisation getrennt werden leben müssen. Also musste Nahrung beschafft werden. Eingepackt in vier Schichten Thermokleidung, mit Skiern unter den Füssen, ließen wir uns von unseren Schlittenhunde durch das Gebirge am nördlichen Prenzlauer Berg ziehen. In der dahinter gelegenen Tiefebene angekommen, war ich bereits darauf eingestellt, einen Eisbären mit meiner Flinte erlegen zu können, um genügend proteinreiche Nahrung für das wochenlange Exilleben zu sichern. Gesagt getan. Gut getarnt schaufelten wir einen Iglu als Unterschlupf und legten uns auf die Lauer. Und da waren sie, eine fünfköpfige Eisbärenfamilie. „euch mach ich kalt ihr Racker“, dachte ich bei mir bevor der erste Schuss viel…

Leider sind meine Schützenerfahrungen, ob des Zivildienstes, derart dilettantisch, dass ich bereits nach zehn Minuten unseren gesamten Munitionsvorrat aufgebraucht hatte und wir nach erfolgreicher Flucht, vor der aufgebrachten Eisbärenfamilie, somit gezwungen waren, doch zum Supermarkt zu gehen.

Gott sei Dank war gestern verkaufsoffener Sonntag und wir konnten einen Hamsterkauf für die bevorstehende Krisenzeit unternehmen. Wir wussten ja, dass wir seit heute morgen von der Außenwelt abgeschnitten, unter riesigen Schneemassen begraben, das Leben in Berlin alleine auf die Reihe werden kriegen müssen.

Unglaublich, aber das ist der Kassenbon für nur zwei Menschen und zwei Kater…

Mit nur leichten Erfrierungserscheinungen bewältigten wir gekonnt den Rückweg durch die eisige Tundra. Vorbei an den Eisbären und den freilaufenden Wölfen, bahnten wir uns mit unseren Vorräten einen Weg durch die gefrorene Landschaft, um dann endlich wieder wohlbehütet in den eisigen vier Außenwänden anzukommen.

Bleibt abzuwarten, wann der Räumdienst uns erreichen wird.



Ähnliche Artikel


One Response to “Expedition: Hauptstadt”

  1. a gravatar 1 h3nNi

    bei euch kann man einfach so ins eisbärengehege vom zoo?

Leave a Reply