Die Mächtigen unserer Zeit

Im Zuge der aktuellen Diskussion um den Streitfall Europe vs. Facebook kommt man nicht umher, sich Gedanken um dieses ganze Konstrukt hier zu machen. In diesem Streitfall geht es ja darum, dass Facebook seinen Usern vorgegaukelt hat, persönliche Daten auf Wunsch des Nutzers zu löschen, es aber de facto nicht tut. Meine, wie auch die Reaktion vieler anderer war, meine Daten aus Facebook so gut es geht zu minimieren und jetzt in der Diskussion mit mir selbst auszumachen, ob und wenn ja wann ich mein Facebookprofil denn nun löschen werde.

Im Laufe dieses Denkprozesses ist mir mit Erschrecken aufgefallen, wie schlimm abhängig wir von solch mächtigen Plattformen, also auch Konzernen sind! Denn, sind wir mal ehrlich, es ist sollte nicht schwer sein, sein Facebookprofil zu löschen und wäre nur konsequent, sobald man sich schonmal Gedanken darüber macht.

Die Nachteile und Gefahren von Facebook sind eigentlich jedem klar. Jedem, dem sie nicht klar sind, der muss schon aktiv wegschauen oder weghören und weglesen, was bei der Menge an Kritik schwer sein dürfte. Selbst in den Nachrichten wurde im Zuge der Bekanntmachung der 20 Anklagepunkte von Max Schrems alles ausgebreitet. Vieles wussten wir schon vorher, einiges noch nicht:

Wusstet ihr, dass GMX.de und Web.de so mit Facebook zusammenarbeiten, dass wenn ich von einem GMX Account an eine andere GMX Adresse schreibe, die bei Facebook registriert ist, ich automatisch Bescheid über den Realnamen und ein paar der Freunde des Facebooknutzers bekomme? Soll in diesem Fall natürlich nur als Ansporn und Werbung genutzt werden, dass ich mich doch bitte auch in den Strudel reinziehen lassen soll. Nur wie sieht das mal wieder mit dem Datenschutz aus? Grausam! Und ich kann mich nicht erinnern, dieser Werbeart zugestimmt zu haben,  als ich mich registriert habe.

Wieviel ist denn nun solch ein Facebookdatensatz wert, bei dem nichts mehr gelöscht wird und wo bitte liegen die Gefahren?

Googelt man nach der Frage, findet man natürlich nichts konkretes. Facebook ist noch nicht börsennotiert und baut auch keine Autos, die einen gewissen Verkaufswert haben. Folglich gibt es nur Schätzungen über den Wert des Unternehmens und somit auch nur Schätzungen über den Wert des einzelnen Datensatzes. Geht man von dem im Januar 2011 geschätztem Gesamtwert von 50 Milliarden $ aus und hält dagegen die im Mai 2011 geschätzten 800 Millionen aktiven Facebooknutzer und bedenkt man, dass Facebook nur durch die Profile einen Wert hat, dann wären das ja 60$ pro Profil!? Nein, so darf man natürlich nicht rechnen. Also richtiger: 2 Milliarden Dollar

    Umsatz

im Jahr geteilt durch die 800 Millionen Nutzer = 2,5$ pro Profil. Doch was genau macht den Wert aus?

Wer bin ich? Was mache ich? Was habe ich gelernt? Wer sind meine Freunde? Was machen sie? Wen markiere ich in Fotos? Was “like” ich? Was sehe ich?… All das ist eine Menge Wert… 2 Dollar 50 Cent um genau zu sein, ne Bockwurst mit Brötchen und ner Cola!

Doch wir wollen hier nicht nur über Facebook reden, ich möchte mich euch an ein Video von vor einigen Jahren erinnern, wenn es um die potentiellen Gefahren gehen soll: Google Epik

Einige von euch kennen es von “früher”, für manche ist es neu. Es handelt von Google und Amazon und wohin Googles Macht führen wird. Doch warum erinnere ich mich gerade jetzt an dieses Video? Weil gerade jetzt in dieser Diskussion auch mal wieder an die Macht von Google gedacht werden sollte:

Google ist die größte Suchmaschine – na und? Ja! Die größte Suchmaschine, ein riesen Bilderdienst, eine Blogsoftware, ein Feedreader, eine weltweite Onlinebuchsammlung, eine Kalender, Kontakte- und Dokumenteverwaltung, ein Smartphonebetriebssystementwickler, eine riesen Videoplattform, die wir täglich nutzen, ein Navigationssoftwarebereitsteller und nun auch noch durch Google+ in der Lage alles andere über uns zu erfahren. Ein Riesenkraken ist Kindergeburtstag gegen diesen Shize mein Lieben!

Es gibt schon mehr als navollziehbare Gründe, warum Google bei der Realnamendiskussion auf seiner Meinung beharrt! Auch interessant finde ich da die Tatsache, dass auch unsere Behörden immer öfter dazu übergehen, Google nach den Datensätzen zu fragen (natürlich immer nur in Ermittlungen, bei denen es um die nationale/internationale Sicherheit geht!) wie der aktuelle “Transparency Report” offenlegt.

Wir sollten uns also Fragen, was ein Googleprofil “Wert” ist, obwohl wir uns auch fragen sollten, wie viel es für uns Wert ist, täglich die Dienste zu nutzen. Und genau deshalb ist es so schwer, sich von all dem zu trennen…

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